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    Tag der Pflege in Rinteln

    Seniorinnen und Senioren Rinteln

    Tag der Pflege in Rinteln

    ver.di Rinteln ist zum Tag der Pflege am 12.05.2020 mit einer Plakataktion „Wir backen uns Fachkräfte“ in der Rintelner Fußgängerzone vertreten.

    In Zeiten der Corona-Pandemie und auch schon vorher ist der Personalmangel im Pflegebereich deutlich erkennbar.

    Da sind die Empfehlungen der Bertelsmann-Stiftung zur Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft mit Schließung bis zur Hälfte der bestehenden Krankenhäuser wenig hilfreich. Es sei denn, man versteht darunter die Lösung des Fachkräftemangels insoweit, weil die freiwerdenden Pflegekräfte dann ja den Mangel in den verbleibenden Einrichtungen decken können.

    Wir erleben, dass sich Kliniken von der Notaufnahme abmelden, weil nicht genügend ärztliches und nichtärztliches Personal zur Verfügung steht. Die Wartezeiten in der Notfallambulanz sind teilweise erschreckend lang. Ganze Stationen werden stillgelegt, weil nicht genügend Personal zur Verfügung steht. Pflegeeinrichtungen verkommen zur Minutenpflege und sind nicht mehr in der Lage, auf individuelle Pflegesituationen einzugehen.

    Wenn wir mehr KollegInnen und bedarfsgerechte Personalstandards fordern, antworten viele Arbeitgeber:“Wir können uns ja keine Fachkräfte backen.“ Soll heißen: Wir müssen die Zustände weiter ertragen, denn angeblich gibt es nicht genug Menschen, die die so wichtige Arbeit in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen machen wollen. Dabei gibt es mit den richtigen Backzutaten durchaus Möglichkeiten.

    Durch Aufgabe der verbreiteten Teilzeitarbeit in der Pflege stünde ein erhebliches Arbeitskräftepotential zur Verfügung.

    Etliche Pflegekräfte, die ihrem Beruf den Rücken gekehrt haben, könnten zurück gewonnen werden. Allerdings nennen sie Voraussetzungen wie gute Arbeitsbedingungen, mehr Personal, bessere Bezahlung und weniger Zeitdruck.

    Auch Auszubildende, die derzeit ihre Abschlussprüfung nicht schaffen, könnten durch bessere Praxisanleitung, gute Schulbedingungen und individuelle Betreuung in die Lage versetzt werden, ihren Abschluss zu schaffen.

    Bekanntermaßen ist die Einkommenssituation im Bereich der Altenpflege am unteren Ende der Einkommensskala angesiedelt. Ein flächendeckender Tarifvertrag in der Altenpflege kann Schluss machen mit dem Lohndumping kommerzieller Anbieter.

    Angesichts der steigenden Bedarfe müssen die Ausbildungskapazitäten im Gesundheitswesen erheblich erweitert werden. Schmalspurausbildungen helfen hier nicht. In der Krankenpflege wurde die Zahl der Ausbildungsplätze lange abgebaut. Das rächt sich.

    In der Gesundheits- und Krankenpflege sind die Beschäftigten erheblich häufiger und länger krank als in anderen Berufen. In der Kranken- und Altenpflege kann sich die überwiegende Zahl der Beschäftigten nicht vorstellen, ihre Tätigkeit bis zum Rentenalter auszuüben. Wenn die Arbeitgeber ihrer Verpflichtung, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu schützen nachkommen, haben sie auch mehr Arbeitskräfte.

    Die Förderung der Weiterbildung in der Kranken- und Altenpflege muss ausgebaut werden.

    Tausende Pflegekräfte sind durch Kodierung, Abrechnung und Controlling im Rahmen des Fallpauschalen-Systems (DRG) gebunden. Dieses Potential könnte man durch die Abschaffung der Fallpauschalen und Umstellung auf ein budgetfinanziertes System heben und damit die Pflegesituation verbessern.

    Mit den richtigen Rezepten kann die Verbesserung der Pflegesituation gelingen!

     

    Hans Jürgen Niemeier

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