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    Gemeinsam solidarisch!

    Erklärung

    Gemeinsam solidarisch!

    ver.di-Krankenhausnetzwerk Hannover und Region:
    Medizinische Hochschule Hannover, Diakovere, Klinikum Region Hannover
    und AUF DER BULT Kinder- und Jugendkrankenhaus

    Erklärung des ver.di-Krankenhausnetzwerkes Hannover und Region

    Wir sagen: Dem Verantwortungsbewusstsein und dem Durchhaltewillen unserer Pflegekräfte ist viel zu verdanken!

    Im Zusammenhang mit der Berichterstattung in den letzten Tagen zur Situation einer Kinderintensivstation an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) möchten wir als ver.di-Krankenhausnetzwerk darauf hinweisen, dass es auch an anderen Krankenhäusern in und um Hannover durch fehlende Pflegekräfte zu Bettensperrungen gekommen ist.

    Seit Jahren weisen wir die zuständigen Vorstände und Geschäftsführungen auf die zunehmend prekäre Situation im Pflegebereich hin. Auch wenn aufgrund Personalmangel in vielen Häusern noch keine ganzen Stationen, sondern nur vereinzelt Betten nicht belegt werden konnten, stieg die Belastung des Pflegepersonals in den letzten Jahren gravierend an. Eine immense Arbeitsverdichtung ist in jedem Haus Alltag in der Pflege zu Lasten der Patientenversorgung. Nur dem enormen Verantwortungsbewusstsein und dem Durchhaltewillen der meisten Pflegekräfte ist es noch zu verdanken, dass die Versorgung in und um Hannover aufrechterhalten werden kann. Aber diese zusätzliche Leistung ist nicht mehr lange abrufbar. Die dauerhafte Überlastung gefährdet die Gesundheit der Pflegekräfte und treibt sie so aus dem Beruf. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann es zu weiteren Bettensperrungen oder gar weiteren Stationsschließungen in Hannover kommt. Wir betrachten diese Entwicklung mit tiefer Sorge.

    Die politischen Entscheidungsträger auf der Landesebene haben an dieser Misere einen großen Anteil. Statt ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen, die notwendigen Kosten für die baulichen Investitionen und Modernisierungen vollständig aufzubringen, haben sie die Krankenhausbetreiber auf viele dieser Kosten sitzen lassen. Um die so erzwungenen Eigenmittel aufbringen zu können, haben die Arbeitgeber anfänglich auch mit Personalkostenreduzierung durch Stellenabbau reagiert. Der enorm gestiegene Dokumentationsaufwand, verursacht durch das Krankenhausfinanzierungssystem und die Kostenträger, erhöht ebenfalls den Druck im Arbeitsalltag der Pflege.

    Die Arbeitsverdichtung in der Pflege treibt die Pflegekräfte somit in Teilzeit oder in den Ausstieg. Zu lange haben auch Arbeitgeber nicht mit Gegenmaßnahmen agiert. Jetzt wird jede nicht besetzte Pflegestelle ein Problem und der Konkurrenzkampf um Fachkräfte blüht!

    Die Forderung unserer Gewerkschaft ver.di, dem Wahnsinn von Arbeitsverdichtung und Überlastung endlich mit einer gesetzlichen Personalbemessung entgegenzuwirken, wurde von den politisch Verantwortlichen auf Bundesebene und den Arbeitgebervereinigungen dabei willentlich abgelehnt. Nun stehen wir vor dem Scherbenhaufen dieser Fehlentscheidungen. Die Verantwortung für die Ursachen werden zwischen den Beteiligten im System Krankenhaus hin und her geschoben.

    Die »Konzertierte Aktion Pflege« und das Pflegepersonalstärkungsgesetz des Bundesgesundheitsministeriums kommen daher reichlich spät, sind völlig unzureichend und legitimieren damit den Pflegenotstand. Die erlassenen Pflegepersonaluntergrenzen sind kein geeignetes Mittel, um Patientensicherheit zu gewährleisten und müssen dringend verändert werden. Die Pflegekräfte haben mit Unterstützung ihrer Interessenvertretungen und ihrer Gewerkschaft ver.di hartnäckig für bessere Bedingungen gekämpft und sich gegen ihre Überlastung gewehrt. Mit Überlastungsanzeigen und der ver.di-Kampagne »Klinikpersonal entlasten« wurden von Seiten der Beschäftigten immer wieder mehr Personal, Solldienstpläne, Ausfallkonzepte, längere Erholungszeiten, Sicherstellung von Pausen, bedürfnisorientierte Dienstpläne, tarifvertragliche Lösungen und auch mehr Gehalt gefordert.

    Jetzt ist es höchste Zeit, dass sich die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte an unseren Krankenhäusern schnell verbessern. Nachhaltige Lösungen für deren Entlastung und für eine sichere Patientenversorgung müssen her! Wir brauchen eine am realen Pflegebedarf der Patienten orientierte Personalbemessung!

    Die ver.di-Interessenvertretungen sind GEMEINSAM SOLIDARISCH!

    Stellvertretend für:
    MHH Personalrat – Jutta Ulrich
    Diakovere Mitarbeitervertretung – Beate Hochhut
    Klinikum Region Hannover Betriebsräte – Dunja Borges
    AUF DER BULT Kinder- und Jugendkrankenhaus Betriebsrat – Andschana Wolf
    ver.di-Bezirk Hannover-Heide-Weser – Brigitte Horn und Thilo Jahn, Gewerkschaftssekretäre